Suffocation, Obscura, Wasteform, Necropsy

 München, "Metropolis" 20. August 2006

(Bericht von Twilightheart)

Direkt an dem Sonntag, an welchem ich vom Summerbreeze Festival zurückkam, machte ich mich sofort nach meiner Ankunft auf den Weg in`s Münchner „Metropolis“ im „Kunstpark Ost“, um noch den dortigen Suffocation Gig zu sehen. Wieso tut man sich soviel Stress an einem Tag an? Nun, da ich gerade beim Summerbreeze die Nachricht vom Tod eines meiner Lieblingsmusiker erhalten hatte, konnte ich einfach nicht zu hause bleiben. Ich brauchte einfach so viel Ablenkung wie möglich, auch wenn diese Art der „Therapie“ für viele nicht nachvollziehbar ist.
Doch es gab noch einen weiteren Grund: ich war einfach neugierig auf einen der Support Acts, nämlich auf die Band „Obscura“ aus München, die gerade mit ihrer ersten CD für Furore sorgen. Und da schon Stimmen ihrer Neider laut wurden und man bereits versuchte, den Jungs Dreck anzuhängen, musste dies bedeuten, dass sie verdammt gut sind, sonst würden die Leute nicht so viel Energie auf sie verwenden. Und da ich Obscura selbst noch nicht live gesehen hatte bis dato, war es an der Zeit, mir selbst ein Bild von ihren Live-Qualitäten zu machen.

Die erste Band, die an diesem Abend spielte, verpasste ich jedoch trotzdem, weil ich zu spät kam. Und so begann der Abend für mich mit „Necropsy“. Da es so an die 8 bis 10 Bands gibt, die sich so nennen, sei klargestellt, dass es sich um eine der beiden deutschen Bands dieses Namens handelt, und zwar um die Death Metal Band aus Nürnberg, die bis jetzt nur das „Demon“ Demo im Jahr 2003 rausgebracht hat, nun aber am ersten Album in voller Länge arbeitet.

           

Die Band machte einen recht guten Eindruck, zumindest für die, die auf tiefes Growling stehen, so wie ich, dürften Necropsy etwas abgewinnen können. Alle anderen hatten zu ihrer Musik zumindest die richtige Grundlage zum headbängen. Zwar war das Publikum streckenweise etwas verhalten, aber zumindest bei den härteren Passagen nutzten viele doch die Gelegenheit, sich schon mal warm zu moshen. Nach bereits 2 Songs riefen ein paar Spassvögel schon nach Zugabe. Nun ja, wenn man bedenkt, dass nur 5 Songs auf der Setliste standen, vielleicht doch keine so abwegige Idee. ;-) Am Ende spielte die Band wohl aber doch mehr, denn sie spielten mindestens eine halbe Stunde lang. Leider war der Bass viel zu leise, und vielleicht lag es an den kleinen Sound-Problemchen auf der Bühne, dass die Band manchmal ein wenig frustriert wirkte. Am Publikum lag es mit Sicherheit nicht, denn nach jedem Song gab es relativ guten Applaus. Gegen Ende des Gigs mag der ein-oder andere an „Herr der Ringe“ erinnert worden sein, denn der Sänger merkte an, dass „die Band noch nie so weit weg war von zu hause wie heute“. ;-)

Danach war es an der Zeit für einen äußerst brutalen Vorschlaghammer in Form der Death Metal Band „Wasteform“ aus den USA. Die Band ist seit 2001 ohne Plattenvertrag, aber da sieht man es wieder: sie haben nicht aufgegeben und es trotzdem nach Europa geschafft für eine Tour. 
Gleich bei ihrem Erscheinen auf der Bühne dürfte klargewesen sein, dass man Sänger Greg lieber nicht zum Feind haben will. Was für eine gewaltige Erscheinung! Und natürlich hat er in seiner Heimat den Spitznamen „Tiny“ weg, was so viel bedeutet wie „winzig“. :-)

         

Gut, in Europa gibt es mit Sicherheit viel brutaleren Death, aber ich könnte mir vorstellen, dass es in der USA verdammt schockierendes Zeug ist für die Gig-Besucher. Auf jeden Fall bildete sich vor der Bühne sofort ein wilder Moshpit, und Sänger Greg feuerte die Akteure desselben auch immer wieder zu noch mehr Action an (im übrigen mit einer eher piepsigen Sprechstimme, die total im Gegensatz zu seiner tiefen Growl-Stimme stand). Was wohl in Amerika auch anders ist als hier, ist das Auftreten der Band auf der Bühne, zumindest bei Wasteform. Shouter und Bassist liefen nämlich ohne Pause wie die Angestochenen von einer Seite der Bühne zur anderen. Ziemlich ungewohntes Bild, wenn man es ansonsten nur mit Headbängern auf der Bühne zu tun hat. Auf jeden Fall spaltete diese Band die Meinungen in der Halle. Während vor der Bühne wie gesagt ein Moshpit entfesselt wurde, standen in den Ecken die Gäste eher teilnahmslos rum. Also nichts für jedermann`s Geschmack.

        

Und nun sollte es interessant werden, was Steffen da mit seiner Band „Obscura“ auf die Beine gestellt hat. Er hat ja alle anderen Bands hinter sich gelassen, aus denen man ihn nur als Bassisten kannte (Festering Saliva, Black Horizons) und sich in letzter Zeit ganz auf seinen Job bei der progressiven Death Metal Band Obscura konzentriert, wo er nun sowohl die Vocals grunzt als auch Gitarre spielt. Der Rest der Band besteht aus einem bunten Mix von (Ex-)Mitgliedern verschiedener Münchner Bands, zum Beispiel Hokum, und Bands aus Hamm. Und auch der „kleine“ Jonas von Festering Saliva und Black Horizons darf in Steffen`s Nähe nie fehlen, und somit findet er sich auch hier am Schlagzeug wieder.

Die Spannung stieg bei mir echt RICHTIG vor Gig-Beginn, denn ich konnte mir zwar vorstellen, dass Steffen nicht nur am Bass, sondern auch an der Gitarre ein Tier sein würde, doch ob er tatsächlich growlen kann, da hätte ich mich nicht festlegen wollen vorher. Und wer jetzt richtig bemerkt, dass wir ja ein Obscura-Review auf unserer Seite haben, dem sei gesagt, dass darauf V.Santura von Dark Fortress singt, und nicht Steffen. (Wen`s interessiert: auf dem Album finden sich wirklich interessante Gast-Musiker, nicht nur von Dark Fortress, sondern auch von Atrocity.)
Doch nun zum Gig: Nachdem Steffen witzigerweise vor Beginn meinte, einmal laut nach „grünem Licht und Bühnennebel“ verlangen zu müssen, um zu bekunden, dass er nun endlich anfangen will, tat sich leider nichts und es ging erst mal OHNE Effekte los. Doch nur Sekunden später wurde ein riesiger Nebelschwall auf die Bühne geschossen, in Richtung des 2. Gitarristen, so dass dieser mit Sicherheit NICHTS mehr sah, und auch für die Zuschauer vollkommen im Nebel verschwunden war für eine halbe Minute. Wie heisst es so schön? > Man sollte aufpassen, was man sich wünscht, denn es könnte sein, dass man es bekommt! ;-)

Doch nun im Ernst: die Band hat mich echt umgehauen. Mal abgesehen davon, dass Steffen tatsächlich so richtig schön tief growlen kann, können das auch noch die anderen beiden (Bassist und 2. Gitarrist). Natürlich hat Steffen den Hauptgesangs-Part, aber durch die Tatsache, 3 gute Growler in der Band zu haben, bietet es sich natürlich an, die Vocals zu wechseln, und genau das machten die 3 dann live also auch. Vielleicht könnt ihr euch annähernd vorstellen, wie geil so was rüberkommt. Dazu kommt echt kniffliges Death-Riffing und progressive Songstukturen. Die schwierigsten Parts übernimmt hierbei Steffen an der Gitarre. Was er da so zaubert, ist wirklich sagenhaft. Es ist einer jener, die die Gitarre wohl von allen Seiten spielen können, zumindest bearbeitete er die Saiten hier in einem Mordstempo abwechselnd von oben und von unten. Einige Gitarristen dürften hier zu recht neidisch werden, zumal es sich nicht um einfache Riffs handelte, sondern wie gesagt um verdammt anspruchsvolles technisches Gefrickel. Doch auch die anderen 2 Klampfer spielten sich die Finger wund, und für Jonas war es sowieso technische Drummer- Schwerstarbeit.

Der Gig wurde nur leider durch ein paar Soundprobleme überschattet. So fiel zum Beispiel ein Mikro manchmal aus/ bzw. hatte wohl einen Wackelkontakt und wurde zwischendurch manchmal leiser (kein Problem in diesem Fall, weil wie gesagt die anderen beiden jeweils auch growlen können, bzw. man einfach das Mikro wechseln konnte). Das größere Problem war wohl sicher, dass Steffen`s Gitarre an den hohen Saiten leicht verstimmt war, denn beim Gebrauch der tieferen Saiten klang alles genial, auch bei den ganz schnellen Passagen, während bei den langsameren Melodielinien in höheren Tonlagen ein paar ganz schiefe Töne dabei waren. Zum Glück machten diese nicht den Großteil der Songs aus. Und so gab es ein paar unmerkliche kleine Störungen, die aber zum Teil auch witzig waren: einmal verfing sich eins von Steffen`s Haaren so zwischen Gitarre und Kopf, dass es ihm immer schön das Gesicht freihielt beim Soli-Spielen, weil es alle anderen Haare zurückhielt. Und bei so gesundem Haarwuchs reißt das auch nicht einfach von selber ab, da musste dann Steffen auch selbst lachen. Da musste schon ein Gewalt-Headbäng-Akt erfolgen, um das eine Haar auszureißen. ;-)
Auch der Bassist lachte recht viel, ob über kleine Verspieler oder nicht, ist nicht gewiss. Auf jeden Fall steckte er das Publikum an und interagierte sowieso recht viel mit den Besuchern. So kam es, dass die Stimmung nach anfangs verhaltenen Reaktionen nach dem ca. 4. Song deutlich besser wurde und in den ersten Reihen gebängt wurde, bis nix mehr ging.

Dann war es leider schon so weit, dass Steffen den letzten Song ankündigte, allerdings nur, um hinterher zu verlautbaren, dass sie doch noch Zeit hätten. Auf seine Frage „Wollt ihr noch einen hören?“ rief ein Spaßvogel hinten im Publikum direkt „Nein“, worauf Steffen sofort mit „Doch!“ konterte und dann trümmerte uns die Band ein letztes Mal die volle Breitseite an die Gehirnwände. Einfach `ne geile Sache! Bitte mehr davon!

Last but not least warteten natürlich die Headliner noch auf ihren Auftritt: Suffocation aus den USA (war euch sicher eh klar, aber da es auch so an die 10 Bands gibt, die sich Suffocation nennen, will ich`s lieber klarstellen, dass es DIE Suffocation aus Long Island sind). 
Wieviel Pech kann eine Band eigentlich haben? Nicht genug, dass Bassist Derek mit gebrochenem Bein auf die Bühne kam und auf einem Flightcase sitzend spielen musste, war der 1. Gitarrist Terrance gleich gar nicht dabei, denn (wie uns Sänger Frank Mullen dann auch ausführlich berichtete) ihm wurden unterwegs (bei der Tour mit Shadows Fall) seine Papiere gestohlen, so dass er auch direkt das Land nicht mehr verlassen konnte, weil er sich nicht ausweisen konnte (denn der Personalausweis befand sich unter den gestohlenen Sachen... und dadurch konnte auch kein vorläufiger Reisepass ausgestellt werden). Und Derek hatte sich das Bein in einem Club am 06.06.06 gebrochen, an "Lucifer`s birthday", wie Frank es nannte. 

Und auch sonst war Frank zum plaudern aufgelegt. Einen Song kündigte er folgendermaßen an: „Der nächste Song handelt von Deinem Lieblingsfriedhof, wo Du Deine Lieblingsleiche ausgraben kannst und mit ihr Sex haben kannst... oder was auch immer Du willst.“
Ansonsten brauche ich sicher nicht erwähnen, dass Frank mega-aufgedreht war auf der Bühne. Seiner Gestik nach zu urteilen könnte man meinen, er will jeden Zentimeter Luft auf der Bühne mit seiner Hand in kleine Scheiben schneiden. ;-)

Der Sound war relativ okay, obwohl die Technik auch hier mehrmals aufgefordert wurde, an den Monitoren mal was lauter oder leiser zu stellen. Doch es gab keine größeren Probleme. Und so konnten sich die verbliebenen Bandmitglieder ganz den Fans widmen. Obwohl schon die meisten ordentlich abgingen vor der Bühne, war es Frank wohl immer noch nicht genug, denn er meinte nach ca. 4 Songs, warum es so leise ist in der Halle, ob wohl einige ein Schläfchen halten wollen. Und sofort nutze er auch die Gelegenheit, um noch eine Story aus seiner Kindheit anzuhängen: wenn er früher Party machen konnte, war er mit Sicherheit immer der Lauteste. Da weiss man nicht, aus welchem Grund Frank einem sympathischer sein soll: wegen seines ureigenen Verhaltens auf der Bühne, oder einfach wegen der coolen Musik. Whatever... auf jeden Fall haben Suffocation trotz des vielen Pechs der Bandmitglieder richtig auf den Putz gehauen und den Fans was geboten für ihr Geld. Immer wieder gerne...

  

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