Blodsrit, Eminenz, Reign in blood, Nebelcult

Salzburg, 21. März 2008, "The Cave"

(Bericht: Twilightheart)

Karfreitag! Der perfekte Tag für Blasphemie! Nur wo? In Bayern und anderen Teilen Deutschlands ist generelles Veranstaltungsverbot an diesem Tag, zumindest für Konzerte aller Art. An Metal ist da gleich gar nicht zu denken. Doch nicht umsonst ist Österreich direkt um die Ecke. Genau am 21. spielten dort Eminenz und Reign in Blood aus Deutschland und Blodsrit aus Schweden. Da fiel es schwer, fernzubleiben. Es stürmte und regnete zwar den ganzen Tag, dass man am liebsten im Warmen geblieben wäre, aber was ein echter Black-Metaller ist, der ist dann doch lieber in den frostigen Katakomben des „Cave“-Clubs in Salzburg (wer den Club nicht kennt: es ist eine Art Höhle im Berg mit verzweigten Gängen aus Mauersteinen, und selbst im heissesten Sommer ist es dort drin noch kalt, und bei schlechtem Wetter ist es dort drin EISIG). Aber die Location ist einfach kultig. Kaum ein Club passt vom rohen Ambiente her besser zu BM-Gigs. Ausserdem ist der Sound außergewöhnlich, denn es hallt von den Wänden zurück und selbst bei schlechtem Sound hat man noch einen gewissen Effekt, der das ganze angenehmer macht.

Den Abend eröffnete eine österreichische Lokalband namens „Nebelcult“. Sie spielen Black Metal und sind so neu und "Underground", dass man nicht’mal eine Webseite o.a. von ihnen findet. Es handelte sich um vorwiegend jüngere Bandmitglieder, deren Frontmann allerdings eine etwas reifere Ausstrahlung hatte und der viel Wert auf grimme Mimik beim Singen legte. In den Songs wird vor allem Wert auf Schnelligkeit gelegt, während die Basslinien und Gitarrenriffs eher einfach gehalten sind. Dazu jagende Drums und natürlich Growling.
In der Mitte des Gigs wurde ein kleiner Blut-Ritus abgehalten. Das Verhalten einiger Bands scheint Schule zu machen und die Nachahmung von deren Ideen scheint fast schon zum guten Ton zu gehören. So goss sich der Sänger der Band Blut in’s Gesicht und seinen Musikern auch gleich. 
Die Band konnte ihren Gig nicht ganz wie geplant zu Ende bringen. Da alles relativ spät anfing, denke ich, man war bereits da unter Zeitdruck. Man beriet sich also kurz und spielte am Ende noch schnell ein kurzes, schnelles und eingängiges Stück.

Nun wurde es um einige Kaliber gewaltiger. "Reign in Blood" aus deutschen Landen betraten die Bühne und legten sofort mit Wucht und Selbstbewusstsein los. Routiniert und ihre ganze Erfahrung nutzend konnte die Band die anwesenden Metaller sofort für sich einnehmen. Während beim Gig der ersten Band nur ein befreundeter Musiker in der ersten Reihe headbängte, waren es bei Reign in Blood schon einige mehr. Leider hatte man das Gefühl, dass der Sound jede viertel Stunde schlechter wurde. Die Fans riefen der Band sogar zu, dass man z.B. die rechte Gitarre nicht hört, und irgendwann war auch das Mikro für die Vocals total ausgefallen. Aber dafür rissen die Songs der Band ordentlich mit. Der Schlagzeuger machte übrigens optisch richtig was her. Mit rasselnden Ketten am Outfit zog er durch seine Mimik eh schon die Blicke auf sich, aber dann trommelte er ab-und zu auch noch im Stehen, so dass er die gewünschte Beachtung auch bekam.
Den Musikern schienen übrigens auch die Monitore Probleme zu bereiten, denn es gab etliche Missklänge, auch wenn die Musiker dies mit ihrer Erfahrung bzw. irren Gitarrensoli zu überspielen versuchten. Gegen Ende des Gigs kam dann auch so was wie ein Soundtechniker auf die Bühne und schaute, wie es zu dem schlechten Sound kommt. Aber wahrscheinlich sah er, dass nichts mehr zu retten war, denn er ging einfach wieder. 
In der ersten Reihe standen übrigens (wie so oft in Salzburg) nur Münchner Fans. Lauter bekannte Gesichter. 

Wie sich später herausstellte, hatten Blodsrit mit Eminenz die Spielzeiten getauscht. Eigentlich sollten wohl Eminenz Headliner sein, da sie in Deutschland bekannter sind. Aber ich bin natürlich auch einverstanden damit, wenn die schwedischen Gäste den Headliner-Platz bekommen. 

Also kamen nun "Eminenz" auf die Bühne und merkten wohl schon beim kurzen Antesten der Instrumente, dass hier soundtechnisch Hopfen und Malz verloren sind. 
Einer der beiden Gitarristen versuchte vergeblich, noch etwas zu verbessern und fummelte da eine ganze Weile an der Gitarre rum. Schließlich reichte es dem Drummer und er brüllte: „Spiel !!!!“ und legte selbst los. So begann die Band, die selbst nicht gern als Black-Metal-Band bezeichnet wird, hymnisch mit „Sink in Oblivion“. Kraftvoll kam der Song rüber, obwohl die Vocals erstmal ganz weg waren und auch später, als man sie wieder hörte, total verkorkst waren, da das Mikro einen Knacks weghatte und man das Growling nur noch als gekrächzten Geräuschebrei hörte. Ganz schlimm. Mit gutem Bühnenequipment von seiten des Clubs hätte es ein gigantischer Gig werden können, denn die Band hatte eine gewisse Wut im Bauch und kam wirklich beeindruckend rüber, aber durch den schlechten Sound hatte das ganze einen wirklich schrecklichen Beigeschmack. Die Fans waren trotzdem in ihrem Element, man bängte, was das Zeug hielt. Es folgten „Triumph of the nightforce“, „Return of the four horsemen“ und „Praise the death“.
Ich überlegte die ganze Zeit, woher mir der neue Drummer so bekannt vorkommt. Was heißt neu, er ist auch schon seit 2 Jahren dabei, aber da ich Eminenz seit dieser Zeit nicht live gesehen habe, habe ich die Wechsel im Line-Up nicht mitbekommen. Als es mir wieder einfiel, woher ich den Schlagzeuger kenne, war ich erstmal baff. Es ist Asmon von der Band "Fabula", die diejenigen unter euch kennen müßten, die sich ab-und zu auf Mittelalter-Events Sackpfeifenmusik anhören. Außerdem spielt er in einer Band, die mir einst viel bedeutete (und die übrigens nie live auftritt): Rimmersgard. Und nun bei Eminenz. Klasse! Als Vollblut-Drummer wie er einer ist, kann er nur eine Bereicherung für die Band sein.
Weiter ging es mit „Dark millenium“, „Infernal majesty“ und passend zur Oster-Blasphemie „Jesus wept nevermore“. Sus an den Keyboards machte ordentlich Stimmung und die Fans kamen ebenfalls richtig in Fahrt. Einige konnten auch die Texte mitsingen. Leviathan am Mikrofon brüllte wie ein Stier, obwohl wie gesagt, die Technik dem ganzen einen Dämpfer aufsetzte. Der Tontechniker sprang ständig irgendwo auf der Bühne rum und richtete hier und da mal etwas, aber wirklich besser wurde nichts. Schade. 
Es folgten noch „Exorial“ und eine Zugabe, und dann war auch dieser Gig leider schon wieder vorüber.

Fast genau so lange wie Eminenz gibt es die schwedischen Black-Metal-Urgesteine von "Blodsrit", die nun die Headliner-Position innehatten. 
Das witzige war, dass alle, die sich vor dem Gig über Blodsrit unterhielten und sie 2005 bei dem Gig in München gesehen hatten, sich an sie erinnern konnten. Aber nicht unbedingt wegen der Musik, sondern weil der Sänger damals sturzbetrunken gewesen war und im „Titanic City“ von der Bühne gefallen war. Aber er war so „glücklich“ gefallen, dass er direkt wieder auf den Füßen gelandet war.
Nun, hier in Salzburg schien er nicht allzu betrunken zu sein, was dem Gig sehr gut tat. Zwar war der 2005er Gig in München auch ein besonderer Gig gewesen, einfach weil Naahz im Suff auf der Bühne so unglaubliche Grimassen gezogen hatte, wie es die bösesten BMler nicht hinbekommen, aber hier in Salzburg war es einfach musikalisch besser und kam auch viel ernsthafter rüber, weil Naahz sich auf’s Singen konzentrierte und auch nicht ständig das Gesicht verzog. Naja, ein bisschen schwankte er schon, auch bezeichnete er seinen Whiskey als „Drink of the day“ und laberte allerlei unnützes Zeug, wie z.B. dass die Band direkt hiernach nach Schweden zurückkehrt, in die geliebte Heimat. Keine Ahnung, ob das irgendwen interessiert hat. Aber dafür kann dieser Mann growlen, dass einem Angst und Bange wird. Zwar wurden auch hier nach jedem Song Monitore und Instrumente nachkorrigiert, um dem schlechten Sound wenigstens etwas zu entgehen, aber was das Growling von Naahz betrifft, so wäre das wohl auch ohne Mikro brachial rübergekommen. Der Mann ist einfach ein Tier an den Vocals. 
Folgende Songs waren unter anderem auf jeden Fall auf der Setliste: Hinterland, The rape of vestal purity, Jord, In melancholy..., Vid livets slut, Praise suicide, Sverige, Into nothingness, The glorious rise of the flames und I sorg, för syndens saknad.
Naahz versuchte sein Bestes, um mit dem Publikum zu kommunizieren, auch wenn es dabei immer nur um Alkohol ging. Der Gitarrist, der mit einem Fan anstoßen wollte, zerbrach dabei direkt seine Flasche. An Fannähe fehlte es wirklich nicht. Ein Fan durfte bei einem Song sogar mit auf die Bühne und hat dort mit der Band zusammen abgerockt. 
Sogar einige ansonsten für BM untypische „Hey hey“-Rufe gab es, und Naahz machte direkt mit. Aber trotz ein paar komischer Gesten war es insgesamt eine runde Sache und  ein guter Gig und somit war Ostern auf BM-Art gerettet.

Fotos von allen Bands findet ihr in den "Concert photos"!

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