Ragnarök Festival 2010

Gut Matheshof, Rieden, 29.04.- 01.05.2010

(Bericht: Twilightheart)

Das Ragnarök-Festival hat es 2010 geschafft, beinahe mein Lieblingsfestival zu werden. Zwar sind immer noch ein paar Bands im Billing, auf die ich gerne verzichten kann, aber die Gesamtatmosphäre hat in diesem Jahr einfach gestimmt. Auf keinem anderen Festival 2010 war man so bemüht, es den Fans, Künstlern und auch den Presseleuten so angenehm wie nur möglich zu machen. Das lag allerdings neben der Hingabe der Festival-Crew auch ein wenig an der neuen Location, in der das Festival dieses Jahr zum ersten Mal stattfand (Gut Matheshof in Rieden). Diese bietet nämlich etliche Annehmlichkeiten. Allen voran: gaaaanz viel Platz. Selbst der Fotograben ist so breit, dass es (anders als in der bisherigen Location, Stadthalle Lichtenfels) überhaupt kein Gedränge gab und alle Fotografen bei jeder Band die gesamte Zeit über fotografieren durften (dabei wurde die Security-Mannschaft auch nicht mal behindert... auch hatte ich das Gefühl, dass sowieso speziell eine Sicherheitsfirma gewählt wurde, die relativ viel mitmacht, oder aber dass es spezielle Anweisungen gab, es Fans und Presse so angenehm wie möglich zu machen, denn solche Machtdemonstrationen, wie sie manch andere Sicherheitsleute oftmals brauchen, brauchten die vom Ragnarök nicht, sondern handelten das Ganze vollkommen relaxt aber professionell ab). Obwohl die Halle, die sonst eine Reithalle ist, zur Hälfte abgesperrt war, war genügend Platz für die ca. 4500 Besucher und man hatte eigentlich das Gefühl, es ist fast Platzverschwendung. Auch Sitzplätze waren genügend vorhanden, so dass diejenigen, die die Bands nun nicht unbedingt ständig von ganz Nahem sehen wollten, es sich auf den Rängen in den Sitzen gemütlich machen konnten. 

Auch lange Wege gab es nicht, die Parkplätze und Zeltplätze waren direkt vor der Halle. Wer mit dem Auto kam ohne zelten zu wollen, fand auf einem Parkplatz direkt gegenüber dem Haupteingang auch am letzten Festivaltag noch bequem einen Parkplatz. Lediglich wer auf den Zeltplätzen dank späterer Anreise ganz hinten zelten musste, hatte vielleicht mal 5 oder 10 Minuten zu laufen. Aber alles in allem ist das Gelände fantastisch und alles ist bequem erreichbar. Außerdem liegt es etwas abseits vom Schuss, so dass man keine Anwohner in der Nähe hat, die sich von den Metal-Fans auf den Schlips getreten fühlen könnten. Wenn man den neuen Veranstaltungsort also mit dem alten vergleicht, wo es ja ständig eng war und die Fans den Anwohnern tierisch auf die Nerven gingen, so ist die neue Location wirklich das absolute Gegenteil, und das frühere Hauptproblem „Platz“ dürfte das Festival damit ein für allemal gelöst haben.

Für Getränke und dergleichen wurde auch gesorgt. Zwar gab es nun auch nicht unbedingt das gesündeste Essen (bei welchem Festival gibt es das schon?), aber dafür reichlich. Man musste nirgends lange anstehen und konnte wahlweise in der Halle oder außen etwas kaufen. Bei schönem Wetter ist dies draußen natürlich angenehmer gewesen, einfach weil die Landschaft schön war. Direkt vor der Halle gab es dann auch eine Ecke, in welcher eine mittelalterliche Lebensweise nachgestellt wurde, inklusive eines echten Schmieds.

Donnerstag, 29.04.2010

Bereits am ersten Festivaltag waren reichlich Leute anwesend. Dafür, dass keine Ferien waren, war dies nicht selbstverständlich. Aber auf dem Plan standen bereits an diesem Tag einige Hochkaräter, die sich mit Sicherheit die meisten nicht entgehen lassen wollten, nämlich unter anderem Arkona und Belphegor.

Doch von vorne! Ich dachte, ich hätte die erste Band „Ravenlore“ sicher schon verpasst, als ich in die Halle kam, doch offensichtlich hatten die mit etwas Verspätung angefangen. Sicher hatte auch die Band mit weniger Zuschauern gerechnet. Aber wahrscheinlich waren es bereits mehr als die Band bei Clubkonzerten je hätten ziehen können. Und so bedankten sie sich erst mal und gaben bekannt, dass sie aus Bayreuth angereist sind. Zwar war der Sound grottenschlecht und viel zu laut, trotzdem bemühte sich die Band, ihren Gig durchzuziehen. Viel Action konnten sie zwar nicht bieten, aber trotz allem fingen einige hartgesottene Fans vor der Bühne schon mal an, sich warm zu bängen. Viele Besucher erkundeten auch erst mal die Halle (denn es gab schließlich auch Merch) und warfen nur von weitem mal einen Blick auf die Bühne.
Vor dem Song „Silent Kill“ kündigten Ravenlore an, dass sich die Zuhörer auf 9 Minuten pure Romantik einstellen sollen, und es folgte eine schöne Ballade. Nur schade, dass eine der beiden Gitarren etwas unsauber gespielt wurde.

Im übrigen standen die beiden Hauptbühnen ohne Sichtbehinderung direkt nebeneinander. Clevere Fans hätten sich also in der Mitte beider Bühnen einnisten können und hätten dann dort beste Sicht nach beiden Seiten gehabt. Aber aufgrund der Größe der Halle und der unglaublich breiten ersten Reihe konnten sowieso mehrere hundert Fans ganz vorne stehen und Platz-„Kämpfe“ waren nicht nötig.

Nach 18 Uhr ging es weiter mit Pagan-Metal von Thormesis. Dafür, dass sie so unbekannt und blutjung waren, hauten sie ganz schön auf den Putz. Grimme Mimik und Corpsepaint, sehr hymnische Songs mit viel Klargesang und vielen eingängigen „Schlachten“-Gesängen, sowie ansteckendes Riffing brachten der Band sofort Pluspunkte beim Publikum. Dazu kamen allerhand Leute in der ersten Reihe, die die Band wohl schon kannten, und sie mal so richtig abfeierten. Eine kleine aber feine Party also.

Der Bandname „Imperium Dekadenz“ aktivierte irgend was in meiner Erinnerung, aber diese war dann doch zu schwach, um zuzuordnen, ob es ein Warn-Signal oder ein „Die waren damals klasse“- Signal war. Also stand ich pünktlich auf der Matte, als die Black Metaller auf die Bühne kamen, nur für den Fall, dass es ein „Die waren damals klasse“ war.

Und ja, sobald die Band zu spielen begann, war klar, dass sie nicht nur „damals“ großartig waren, sondern immer noch sind. Und zwar so was von! Wuchtig und mitreißend war ihr BM, manchmal leicht doomig, ab und an aggressiv, aber in jedem Fall abwechslungsreich und wohlklingend. Passioniertes Growling (bzw. lange Schreie in den melancholischen Passagen) des Frontmanns und  vertieftes Spiel motivierter Musiker machten den Gig zu etwas Besonderem. Auch bilde ich mir ein, dass der Sound nun viel besser war. Neben den geschätzten 600 Leuten vor der Bühne hörten auch noch an die 300 auf den Rängen zu. Die Band kreierte eine anspruchsvolle Atmosphäre voll brachialen BMs. Der Applaus nach jedem Song fiel erwartungsgemäß aus und war somit voll verdient.

Direkt danach setzten Carach Angren auf der kleineren Bühne noch einen drauf. Aus den Niederlanden stammt die Band, die melodischen, aber gleichzeitig derben Black Metal spielt. Ihr Frontmann hatte das mit Sicherheit auffälligste Corpse-Paint des gesamten Festivals (der lachende Mund, den er sich geschminkt hatte, erinnerte natürlich unweigerlich an den Joker aus Batman). Auch hatte er die ausgefallenste Mimik. Innerhalb einer Sekunde konnte er von einem sarkastischen Blick zu einem ganz bösen wechseln. Wahlweise konnte er auch den Irren raushängen lassen. Jedenfalls konnte man kaum die Augen abwenden, weil sein Gesichtsausdruck ständig wechselte und dies einfach so unterhaltsam war. Man konnte fast sagen, dass der Enthusiasmus, den die Band an den Tag legte, die Tatsache überspielte, dass die Musik ansonsten nichts allzu Besonderes war (aber zumindest einige melodische Passagen, die vor allem durchs Keyboard getragen wurden, waren doch erwähnenswert). Ein charismatischer Frontmann kann es eben doch voll rausreißen.

Kurz vor 21 Uhr machten sich die Grailknights auf zu ihrem Siegeszug. Ich glaube, diese Band kann es sich inzwischen nicht mehr vorstellen, dass es ihnen passieren könnte, dass das Publikum mal schlecht gelaunt ist. Und so passt das Wort „siegessicher“ bei dieser Band einfach wie die Faust aufs Auge. Wer so übertriebenen Powermetal wie die Grailknights spielen (bzw. Ulk- und Coverversionen bekannter Band, z.B. die Metalversion von „Hero“ von Bonnie Tyler u.a.) und dabei noch spielerisch gut, und durch die Mischung von Parodie und eigenen Ideen so viel Spaß verbreitet, dem sei es auch gegönnt, dass die Fans zusammen mit der Band eine richtige Party veranstalten. Wie die meisten ja wissen, „kämpfen“ die Bandmitglieder in ihren Superman-Kostümen um den Gral, posen dabei um die Wette, dass man sich schlapp lachen könnte, und interagieren wirklich die ganze Zeit mit dem Publikum. Ihre ganzen Gegner in Form von böse gemeinten, aber eigentlich witzig aussehenden Figuren, springen nicht nur auf der Bühne rum, sondern gerne auch mal in die ersten Reihen der Fanmenge, mit denen später während des Gigs auch immer ein Fass Bier geteilt wird.

Ein riesen Spaß für alle Beteiligten also. Es gab haufenweise lustige Kommentare von der  Band zwischen den Songs, die Fans mussten ganz viel mit- und nachsingen, und sogar einige sportliche Übungen wurden angeordnet. Dazu gehörte auch, den Vordermann mal eben an den Allerwertesten zu fassen, gefolgt von dem Kommentar „Wer heute nacht allein ins Bett geht, ist selbst schuld“. Und wenn den Musikern in den Breaks zwischen den Songs aus Versehen mal kein Kommentar einfiel, so nutzte man das Zeitfenster erneut zum ausgiebigen Posing. Man kann sich im Fotograben wirklich überhaupt nicht auf die Musik konzentrieren, man ist einfach zu sehr damit beschäftigt, die zufriedenen, lachenden Fans zu fotografieren.

Nun könnte man meinen, die Band, die danach auftritt, hat sicher einen schweren Stand. Aber da dies keine Geringeren als die Russen von Arkona waren, erübrigt es sich wahrscheinlich, zu erwähnen, dass sie die Stimmungsmacher schlechthin waren. Jetzt zwar mit ernsthafter Musik, nämlich mitreißendem Folk-Metal, aber bei Arkona ging die Party so richtig ab. Alles sprang und sang mit (soweit möglich bei den russischen Lyrics), sogar einige der Fotografen machten Party im Fotograben,  und nach jedem Song wurde die Band abgefeiert.
Es gab dieses Mal eine Dudelsackeinlage, eine lange Session mit der Trommel, und überhaupt sprang Wirbelwind Masha immer mal mit Instrumenten wie dem Tamburin wild über die Bühne, manchmal zusammen mit ihrem Mann und Gitarristen. Sie war sowieso die coolste Frau des Festivals. Unglaublich, wie sportlich sie kurz nach der Geburt eines Kindes schon wieder ist. Der im Vergleich zu den anderen ziemlich stimmungsvollen Liedern gemächlichere Song „Rus“ bildete das Finale des Gigs und bei bestem Sound konnte Frontfrau Masha hier noch einmal alles geben und sich stimmlich beweisen (gilt es doch bei diesem melancholischen Song, längere Töne kraftvoll zu halten), bevor die Band unter großem Jubel die Bühne verließ. Es waren übrigens ein paar Fans aus ihrem Heimatland angereist, die es sich natürlich nicht nehmen ließen, die weiß-blau-rote Flagge hochzuhalten.

Später mischte sich Masha übrigens unters Publikum und stand dann da plötzlich mitten in der ersten Reihe, um sich einige Bands wie z.B. Skyforger anzusehen.

Belphegor bildeten danach natürlich einen relativ großen Kontrast nach den beiden Stimmungsbands. Aber mit Sicherheit hat die Band damit kein Problem, wollen sie ja auch nicht für Positiv-Stimmung sorgen, sondern möglichst viel blasphemisches Gedankengut verbreiten, und dies so professionell und bösartig wie möglich. Nachdem die meisten Fans in der ersten Reihe nun also einmal „ausgetauscht“ waren, begannen einige Jünger der satanischen Kunst „Belphegor“-Sprechchöre und zelebrierten ihre Idole ab deren Betreten der Bühne. Viel blutrotes Licht und aufgespießte Schweinsköpfe sorgten für passendes Ambiente. Zu „Bleeding Salvation“ kamen sie auf die Bühne, gefolgt von „Seyn Todt in schwartz“, „Belphegor- Hell’s ambassador“ und „Stigma diabolicum“. Der Sound spielte auch mit, die Band war gut drauf, soll heißen Helmuth und Co. waren nicht nur spielerisch top, sondern sorgten auch mit grimmer Mimik und forschem Auftreten für eine gelungene dunkel-böse Atmosphäre. Das Publikum wurde mit „Ragnarök Germania“ angesprochen und auch immer mal gefragt, was es hören will. Und siehe da, nach den Songs „Swarm of rats“ und „Walpurgis Rites“ schlich sich sogar ein Späßchen aus Helmuths Mund ein: „Backstreet Boys hamma net“. „Veneratio diaboli- I am sin“, „Lucifer incestus“ und „Justine – soaked in blood“ folgten noch, bevor der letzte Song „Bondage goat zombie“ natürlich wieder mit Maske absolviert wurde. Obwohl der Applaus nur verhalten war, kann man den Auftritt als solide und gelungen bezeichnen. Es waren sowieso mehr Folk- und Pagan-Fans als Black Metaller auf dem Festival, so dass die Pagan-Bands von Haus aus mehr Zuspruch erhielten.

Zu Hellsaw, die weit nach Mitternacht spielten, kann ich nicht allzu viel sagen, da die Müdigkeit bereits Einfluss auf die Aufmerksamkeit nahm. Ich erinnere mich allerdings, dass das Auftreten der Band in gewohnter Weise morbide war und sie die rohe BM-Stimmung für eine weitere Stunde spielend leicht aufrecht erhalten konnten.

Bei Slartibartfass, die sicher (so sie denn tagsüber gespielt hätten) mehr Leute hätten begeistern können, waren nun zu später Stunde nur noch die absoluten Hardcore-Fans anwesend. Die Band sorgte mit melodischen Mitsing-Hymnen letztmalig in dieser Festivalnacht für Stimmung, wenn auch nur unter Wenigen. Dudelsackspielerin Jessica konnte bei den Männern punkten, die während ihres Auftritts noch mal hellwach waren. Bis auf die Dame legte die Band ansonsten nicht allzu viel Wert auf Show, sondern legte das Augenmerk rein auf die Musik. Doch wie gesagt, das Sandmännchen hatte bereits Sand in meine Augen gestreut, und so sah ich mir nicht mehr alles von dem Gig an.

 

Freitag, 30.04.2010

Die Pagan-Metaller von Heathen Foray, die den undankbaren Job hatten, den Festival-Freitag zu eröffnen, taten auf der Bühne erst mal kund, dass sie den weiten Weg aus Graz angereist sind, und den Zuschauern Schlachten, Schwerter, Fantasie, Blut und Kot bringen wollen. Nun denn. Ganz so dramatisch war es dann doch nicht. Die Texte habe ich zwar nicht verstanden, aber von der Musik her war alles recht einfach gehalten. Ein Hauch Epik war zwar dabei, aber unter echter Schlachten-Musik stellt man sich natürlich was anderes vor. Aber gut, trotz der wenigen Zuschauer hat sich die Band, deren Mitglieder alle edlen schwarzen Zwirn angelegt hatten, ins Zeug gelegt. Die Bezeichnung eines österreichischen Magazins, sie wären die beste Newcomerband Österreichs, halte ich allerdings für übertrieben. Es sei denn, sie klingen auf ihren Alben um einiges besser als live. Aber in diesem Fall wäre dies live nicht angemessen rübergekommen...

Jetzt gab es auch schon die ersten Änderungen des Spielplans. Eigentlich hätten Nachtgeschrei spielen sollen, stattdessen standen Ingrimm auf der Bühne. Sie ließen die Anwesenden erst mal ihren Bandnamen rufen und sorgten damit schon mal für eine gewisse Lockerheit. Der Frontmann der Band schien sehr gut gelaunt zu sein für diese frühe Tageszeit, kommunizierte viel mit dem Publikum, sagte auch zu vielen der Songs etwas dazu und wirkte überhaupt sehr motivierend auf die geschätzten 400 Anwesenden. Der neue Song „Die Pest“ wurde vorgestellt und trotz etwas matschigem Sound war die Stimmung durchweg gut. Nun ja, wenn ein Dudelsackspieler mit auf der Bühne steht, ist die gute Laune ja meist auch nicht weit. Als Zugabe gab es noch den „Spielmann“ und ein letztes Mal wurden viele Fäuste gen Hallendecke gereckt.

Nun kam auch so langsam die Nachricht durch, dass Catamenia überhaupt nicht auftreten werden. Dafür wurden Vreid 80 Minuten Spielzeit eingeräumt. Aber dazu später mehr.

Auch Nachtgeschrei hatten Dudelsack und allerlei mittelalterliche Instrumente dabei und konnten in Kombination mit den üblichen Metal-Instrumenten ihren Bastard aus Folkmetal und Rock gekonnt darbieten. Mit deutschen Texten, die sehr kraftvoll herausgeschmettert wurden und auch gut zu verstehen waren, und teils sehr melodischen Passagen spielten und sangen Nachtgeschrei sehr hingebungsvoll, wirkten dadurch auch sehr authentisch. Außerdem beherrschten sie ihre Instrumente hervorragend, alles in allem war der Gig also ein echter Genuss.

Doch das alles war natürlich nichts gegen Ragnaröek, gegen die Nachtgeschrei einfach nur bescheiden wirken. Ragnaröek kamen mit unglaublich viel Tamtam auf die Bühne und boten erst mal eine kleine Feuershow, die durch weibliche Assistenz noch aufgepeppt wurde. (Mich würde interessieren, ob der Amboss, der die Bühne zierte, echt war und wenn ja, wie man den transportiert hat) . Und dann begann das bunte Treiben der flippigen Vögel, von denen manche im Gothic-Stil, manche im Mittelalter-Stil gekleidet waren. In der Halle waren nur die geblieben, die sich für diese Musik interessieren, also nicht allzu viele. Es bleibt also festzuhalten, dass der Mittelalterrock sich doch nicht so sehr gut mit dem Pagan-Metal vermischen lässt. Dass es sich zwangsläufig um das selbe Publikum handelt, ist ein Trugschluss. Ich gehe nämlich davon aus, dass Ragnaröek vor echten Mittelalterfans so richtig die Festung zum beben bringen können. Der Scherz, dass „Ragnaröek beim Ragnarök“ spielen, durfte natürlich auch nicht fehlen, aber trotz guter Show bezweifle ich, dass die Band hier neue Fans hinzugewonnen hat. Trotzdem waren sie eine interessante Abwechslung.

Nun stand das erste Highlight des Tages an. Skyforger, die ja bei diesem Festival einen doppelten Auftritt hatten, einmal eine Folk-Show und einmal eine Metal-Show, hatten wahrscheinlich selbst nicht damit gerechnet, dass die Leute so darauf stehen würden, wie sie in der Folk-Show ihre lettischen Songs präsentiert haben: Ein großer Vorhang öffnete sich und da saßen die Bandmitglieder inklusive Gastmusiker und Ex-Bandmitgliedern, jeder hatte ein Instrument in der Hand und manche zum Wechseln noch ein anderes hinter sich liegen. Vorne waren die Boxen mit Fellen überdeckt bzw. mit Schild und Schwert dekoriert. Und dann sangen Skyforger einfach drauf los, einfach ihre Folksongs vom Zobena Dziesma- Album, welches sie sogar noch mal neu aufgenommen hatten, sowie einfach auch noch ein paar andere lettische Volkslieder. Der volle Klang aller Stimmen im Chor mit der wunderbar klingenden Instrumentierung der Folk-Instrumente kam bei den Fans so gut an, dass es nach jedem Song wahre Begeisterungsstürme hagelte.

Wie schon erwähnt war der Fotograben recht breit, es gab keinerlei Gedränge. Und so kam es, dass sogar viele Fotografen den ganzen Gig über wie gebannt im Fotograben stehen blieben und einfach staunend zuhörten und schauten, um am Ende zusammen mit den Fans dem Rausch des Jubels zu verfallen. Es war magisch. Bandchef Peter erzählte zu jedem Song eine kurze Geschichte über den Inhalt. Wie gesagt wurden die Instrumente immer mal wieder gewechselt (es war ja wirklich alles dabei, Trommel, Tamburin, Flöten, Dudelsack, Rasseln, heimische handgefertigte Streichinstrumente usw.), manchmal stand der eine oder andere auf, um im Stehen weiterzuspielen, hin und wieder wurden reine Instrumentalstücke gespielt. Ein einziges Mal schlich sich ein langer Pfeifton ein, den die Soundcrew aber in den Griff bekam. Ansonsten war es ein unglaublich genialer, fantastischer Auftritt, mit dem die Band den Festivalbesuchern ihr Kultur- und Liedgut wirklich nahe gebracht hat und den die meisten Besucher mit Sicherheit so schnell nicht vergessen werden.

Van Canto kamen mir danach reichlich unspektakulär vor. Zwar ist es eine nette Idee, statt Instrumenten nur die Stimmen zu benutzen, um die Instrumente nachzuahmen (bis auf das Schlagzeug), aber mir persönlich reicht da ein einzelner Song, um mich an der neuen Idee satt zu hören. Zwar haben sich die Bandmitglieder richtig ins Zeug gelegt, was ihren Einsatz auf der Bühne betrifft, vielen war die Anstrengung wirklich anzusehen, aber ich persönlich konnte dem stimmlichen Exkurs nicht viel abgewinnen. Aber zur Verteidigung der Band sei gesagt, dass sie wohl gerade erst angekommen waren, also keine Zeit für einen Soundcheck oder dergleichen hatten, und auch die Zeit am Gigbeginn, bis alles fertig war, von einzelnen Bandmitgliedern dadurch überbrückt wurde, kleine Spielchen mit dem Publikum zu machen (mal alle „Motherfucker“ rufen und dergleichen). Vielleicht lag die Enttäuschung auch darin, dass die Band schon im Vorfeld so umworben und gehypt wurde, man also wirklich sonst was erwartet hatte und kaum eine Chance hatte, unvoreingenommen das ganze einfach mal auf sich wirken zu lassen.

Sólstafir hingegen waren großartig. Wehmütig, tragend, sehr melodisch war die Musik und mit viel Inbrunst trugen die Isländer ihren melodischen Metal vor, der einen einfach in der Seele berührt. Bei Sólstafir steht und fällt ja alles immer damit, ob die Band gerade gut drauf ist oder nicht. Beim Ragnarök waren sie wirklich vollkommen in ihrem Element, alles klang fließend und perfekt. An manchen Stellen hört man ja nur eine einzelne Gitarre mit zarten Klängen, und wenn das dann ohne Fehler und mit viel Gefühl gespielt wird, können Sólstafir damit wirklich eine unglaubliche Atmosphäre erschaffen. Der Sänger hat stimmlich alles gegeben; bei einer solchen Qualität spielt es dann auch keine Rolle mehr, dass sich die Bandmitglieder auf der Bühne im Prinzip kaum bewegen, lediglich der Bassist ließ sich manchmal von der Musik treiben und drückte seine Ekstase auch aus. Leider schlichen sich Pfeifgeräusche ein, dummerweise auch noch an wichtigen Stellen, bei denen das Mikro mit viel Hall unterlegt war, um die Atmosphäre noch spannender zu gestalten. Aber nachdem man dies in den Griff bekommen hatte, konnten die Exoten des Festivals in Nebel und Gegenlichteffekte getaucht ihren magischen Auftritt zuende bringen.

The Vision Bleak traten ziemlich selbstbewusst und theatralisch auf. Mit düsterer Growlstimme lullten die beiden Sänger das Publikum ein. Mir persönlich gibt die Gothic-Truppe (bzw. Horror-Metal oder wie auch immer andere es noch nennen) nicht viel, aber das Publikum war vom Auftritt der Band offensichtlich begeistert. Es wurden einige Songs vom neuen Album vorgestellt, und mit Leichtigkeit schafften es die Herren, in gedämpftem roten Licht für Gänsehautstimmung zu sorgen. Die Fans hatten ihre Favoriten unter den Songs und sangen oftmals lautstark mit. Rein klanglich hat mir der Auftritt auch gefallen, alles klang so wunderbar sauber und stimmig.
Dass bei mir stimmungsmäßig die Luft für diesen Abend schon raus war, lag wahrscheinlich daran, dass zwar noch haufenweise gute Bands auftreten sollten, aber darunter keine mehr, die ich nicht schon x mal gesehen hatte oder unbedingt hätte sehen wollen.

So lag meine Hoffnung also einzig und allein noch auf Vreid, die eine Special-Show versprochen hatten. Allerdings zugegebenermaßen nicht wegen Vreid, sondern wegen des angekündigten Gastes Vegard Bakken, Bruder des verstorbenen Windir-Sängers Terje „Valfar“ Bakken.

Doch vorerst standen Vreid allein auf der Bühne. 80 Minuten Spielzeit wollen natürlich erst mal gefüllt sein. Ich glaube mich zu erinnern, dass sie schon bei einem der Ragnarök-Festivals der vergangenen Jahre eine spezielle Show versprochen hatten, aber wirklich was Besonderes war dann doch nicht passiert.

Doch dieses Jahr machten sie von Anfang an ernst. Auf einer Leinwand im Hintergrund liefen bedrückende Filmaufnahmen und es gab über viele Songs hinweg immer wieder Pyro-Effekte, sehr zum Leidwesen der Fotografen, die von der Bühne Abstand halten mussten (was vor allem später während des Gastauftrittes von Vegard besonders ärgerlich war). Vreid ließen sich von Anfang an feiern, aber man muss auch dazusagen, dass in der ersten Reihe unglaublich viele Fans mit Windir-Shirt standen. Ein Pärchen aus Tschechien habe ich später kennengelernt, die waren jedenfalls NUR wegen Vegard Bakken zum Ragnarök gekommen.

Vreid selbst spielten zuerst ihr eigenes Set, vorwiegend die „Greatest Hits“, welches trotz manchmal nicht sauber klingender Gitarren gut bei den Besuchern ankam. Für mich persönlich war es etwas langatmig, weil ich kein Vreid-Fan bin. Doch dann, nach einer gefühlten kleinen Ewigkeit war es soweit:

Vegard Bakken kam auf die Bühne und mir klappte erst mal die Kinnlade runter. Was für eine Erscheinung! Mächtig gewaltig! Ich sah nur noch Muskelberge. Die Windir-Fans aus den ersten Reihen begrüßten ihn mit Jubel und riesen Applaus. Und als wäre es das normalste der Welt, ergriff Vegard sodann das Mikrofon und begann, Windir-Songs zu singen. Und die ganzen ersten Reihen grölten förmlich mit. Wow, was für eine Stimmung...
Das Mikro war mit ganz viel Hall unterlegt und auch recht laut eingestellt, so dass sich das kreischige Growling von Vegard wie ein Gewitter über die Halle legte. Weghören ging nicht mehr. Er ist auch einer jener, die sich überhaupt nicht bewegen brauchen auf der Bühne, sondern einfach wegen ihrer Anwesenheit abgefeiert werden. Und so kreischte sich Vegard durch die Windir-Songs „Blodssvik”, „Journey to the end“, „Sognariket sine krigarar“ und „Svartasmeden og lunnamyrstrollet“. Ich glaube, es hat kaum einer darauf geachtet, was die anderen Musiker währenddessen machen oder ob sie gut spielen oder nicht, es waren eh alle Augen auf den im wahrsten Sinne des Wortes speziellen Gast gerichtet und noch lange hallten die Zugabe-Rufe der begeisterten Fans nach dem letzten Song durch die Location…

Ensiferum bleiben wahrscheinlich auf ewig die Lieblinge der jüngeren Generation. Ich kann mich erinnern, die Band auch gemocht zu haben, als Wintersun-Fronter Jari noch in Ensiferum sang. Petri ist zwar fachlich perfekt und bringt regelmäßig alle zum ausflippen, aber ich persönlich kann mich mit seiner kühlen Perfektionisten-Art nicht anfreunden. Ich habe bei ihm immer das Gefühl, er will durch seine Gitarrenkunst glänzen. Ich frage mich, was bleiben würde, wenn er die Gitarre weglegen würde. Die Musik von Ensiferum war doch ursprünglich als Schlachten- und Heroenmusik gedacht, aber irgendwie reflektiert die Band das für mich nicht (mehr). Wenn sie morgen reinen Death spielen würden, würde es wahrscheinlich genauso passend wirken.

Nun ja, aber ungeachtet meines persönlichen Geschmacks eignen sich Ensiferum natürlich immer bestens als Headliner für Festivals, garantieren sie doch für begeisterte Zuschauer. Über den Gig bleibt auch nichts weiter zu sagen, zieht die Band doch bekanntermaßen ihr Set immer auf die gleiche Weise durch. Grobe Schnitzer gibt es nicht, dafür aber auch keine besonderen Vorkommnisse. Die Mission war also mal wieder geglückt, aalglatter kann ein Auftritt nicht laufen.

Inzwischen waren auch Haggard angereist. Einer Band mit so vielen Mitgliedern sei natürlich verziehen, wenn sie es nicht rechtzeitig schaffen. Die ganzen großen Instrumente wollen ja auch behutsam transportiert sein, ohne dass sie im Wagen durch riskante Fahrmanöver rumgeschleudert werden. Dass der Soundcheck der Band auch noch relativ viel Zeit benötigte, muss sicher nicht extra erwähnt werden. Frontmann Asis versuchte, dies mit der scherzhaften Bemerkung zu beschönigen, dass es schon Tage gab, an denen sie länger für den Soundcheck gebraucht hätten. Einige Fans verließen trotzdem die Halle, weil ihnen einfach langweilig war.
Ich frage mich, ob Sängerin Su krank war, denn es stand Veronika allein als weibliche Hauptstimme auf der Bühne. Bei Haggard weiß man ja auch nie, wer nun gerade mal wieder angesagt oder abgemeldet ist als Bandmitglied, bei keiner anderen Band scheint die Mitglieder-Rotation so groß zu sein. Noch heute denke ich, es ist schade, dass Gaby Koss nicht mehr in der Band singt...
Doch zum Gig. Man versuchte, trotz großer technischer Schwierigkeiten mit den 9 anwesenden Musikern das Beste aus dem Gig zu machen. Aber so recht scheint der Funke dieses Mal nicht übergesprungen zu sein, der Applaus war zwar gut aber im Vergleich zu den anderen Headlinern dann doch verhalten. Paukist und Gitarrist versuchten, durch wilde Aktionen zusätzlich für Stimmung zu sorgen, und so kämpften sich Haggard mehr recht als schlecht mit Songs wie „Awaking the centuries“ und „The observer“ durch ihr Set.

Hollenthon erlebte ich dann noch so im Halbschlaf mit. Die Melodic-Metaller aus Österreich waren allerdings gut drauf, soweit ich mich erinnere. Gitarrist Martin Arzberger ist nicht nur eine Augenweide, sondern bringt auch die Gitarre zum glühen. Er malträtiert die Saiten wie ein Besessener und headbangt sich dabei selbst noch die Nackenmuskeln wund. Der Sänger mit seiner Priester-Kluft hingegen hält es eher gediegen und versucht, sich so professionell und stilvoll wie möglich durchs Set zu growlen. Ein neuer Bassist hat bei diesem Auftritt ebenfalls sein Debüt gegeben, welches keinen Anlass zur Klage bot. Man spielte sich quer durch die meisten der vergangenen Alben bis hin zur 2009 erschienenen EP „Tyrants and wraiths“. Da trotz kurzzeitiger Soundmakel der Gig insgesamt klasse war, gab es verdienten Applaus en masse.

Damit endete für mich der Festival-Freitag. Da Ingrimm nun schon gespielt hatten (eigentlich standen sie für Samstag als Opener auf dem Zeitplan) war nicht klar, wer am Samstag nun eröffnen würde, und nur für den Fall, dass das vielleicht Helfahrt sein würden, wollte ich nicht zu spät kommen. Es hieß also, pünktlich aufstehen.

Samstag, 01.05.2010

So etwas Liebliches wie Midnattsol am frühen Morgen ist ja zum langsam-wach-werden nicht das Schlechteste. Es waren bereits an die 300 Leute da (wen wundert’s, dass es vorwiegend Kerle waren... schließlich sind Sängerin und Bassistin ordentlich was fürs geschulte Auge). Elfengleich nahm es Sängerin Carmen Elise in die Hand, für romantische Stimmung zu sorgen, musste zwischendurch sogar ab und zu an einem Fläschchen nippen, worin wohl etwas war, was die Stimme ölte, wie sie selber sagte. Dass ihre Stimme trotzdem nicht wirklich ganz voll und klingend ist, störte die Herren der Schöpfung bei dem Anblick wahrscheinlich wenig, zumal Birgit zeitgleich im sexy Outfit mit ihrem Bass beinahe eine Rock-Show abzog. Musikalisch war mir persönlich das Ganze zu kitschig, wenngleich das ein oder andere Gitarrensolo zu gefallen wusste. Aber wie gesagt, um erst mal richtig wach zu werden, ist so etwas Softes natürlich angenehmer als eine Krawall-Band.

Helfahrt als gute Live-Band wollte ich dann natürlich auch nicht verpassen. Woher die Jungs die Motivation nahmen, so früh am Tag schon für richtig Power zu sorgen, wird mir auch ein Rätsel bleiben. Mit Songs wie „Luznacht“ vom Sturmgewalt-Album (welches mich seiner Zeit sehr beeindruckt hatte) bis hin zu Songs vom neuen Album „Drifa“, das ich bis dato noch nicht gehört hatte, wurde Pagan-Metal vom Feinsten geboten. Der Sound war auch okay. Der Helfahrt-eigene „Fanclub“ hatte natürlich die erste Reihe belegt und sogar Plüschtiere flogen auf die Bühne. Wenn mich nicht alles täuscht, war „Sturmgewalt“ der letzte Song des gelungenen Gigs. Die zahlreichen Zugabe-Rufe durften aufgrund des Zeitplans (nehme ich an) nicht mehr erhört werden.

Auch die nächste Band, die die Bühne betrat, wurde heftig umjubelt. Allerdings nur von geschätzten 20 Fans, bei denen man das Gefühl hatte, sie sind die die-hard Fans dieser Band, ihres Zeichens Akrea. Akrea hatten aufgrund ihres Nichterscheinens am Vortag für viel Wirbel und etliche Planänderungen gesorgt. Dass sie nun überraschenderweise doch da waren, schien ihre wenigen aber energischen Fans überglücklich zu machen. Mit fettem Sound (zwei Gitarren, Drums, Bass) legten zuerst die Musiker los. Erst als sie bereits eine Weile gespielt hatten, kam der Frontmann hinzu und heimste erst mal seinen Extraapplaus ein. Dann legte er los und röhrte sich die Seele aus dem Leib, hatte aber trotzdem zwischendurch immer wieder ein nettes Lächeln für seine kleine Fanschar übrig. Der Jungspund mit den roten Schuhen sprang auf der Bühne herum wie ein junges Reh und überhaupt gab es von den Deathern ordentlich was auf die Mütze. Vielleicht war es auch so erfrischend, weil das Ragnarök ansonsten mit Death-Bands ja nicht so viel am Hut hat, was auch gut so ist.

Fjoergyn aus dem immerschönen Thüringen sorgten danach mit ihrer ernsthaften Musik wieder für mehr Stoff zum mitfühlen und treiben lassen bzw. an passenden Stellen auch für fliegende Haare. Viele Songs wurden mit Einspielungen oder Textexzerpten begonnen (der Song „Narziss(t)“ zum Beispiel wurde einfach als „Song über die Menschen“ vorgestellt). Leider hörte man die Stimme des Frontmannes nicht immer laut und deutlich, zu oft ging sie im Gitarrensound unter. Trotzdem schafften es Fjoergyn mit ihren anspruchsvollen Stücken, sich in die Herzen der Anwesenden zu spielen, ich sah sogar einen Fotografen im Graben, der lauthals mitsang.

Dass ich mit Gothic-Metal und Co. nicht viel anfangen kann, dürfte dem ein oder anderen nicht entgangen sein. Agathodaimon durften für mich also nur kurz als Fotoobjekt herhalten, bevor ich die Zeit backstage sinnvoller nutzte. Ach ja, und dass sie richtig agil auf der Bühne waren ist mir zumindest nicht entgangen. Ich glaube es gerne ungesehen, wenn mir deren Fans erzählen, dass sie eine geile Live-Show abliefern. Aber wenn man bei der Musik rein gar nichts fühlt, wird auch der schönste Gitarrist auf der Bühne nach 5 Minuten  uninteressant.

Riger waren irgendwie nicht gut drauf. Zwar haben ihre Fans für ordentlich Stimmung und viele fliegende Matten gesorgt, als sie zu „Wenn das Licht uns nimmt“ auf die Bühne kamen, aber gegen die brachialen Riger-Gigs, die ich in der Vergangenheit schon gesehen habe, war der vom Ragnarök eher mittlerer Durchschnitt, lasst es mich mal galant ausdrücken. Ingo hat sich sogar stellenweise versungen, das hab ich vorher noch nie bei ihm gehört. „Brandschiff“ und „Des Blutes Stimme“ waren natürlich trotzdem eine Urgewalt, auch die folgenden Songs „Auf die Ahnen“ (Refrain so laut es geht mitgrölen inklusive, wie sich das gehört) und „Wjerewulf“ knallten vergleichsweise gut rein. Auch die von mir heiß ersehnten Songs vom (inzwischen nicht mehr ganz neuen) Album Streyf waren mit dabei, nämlich das lyrisch unglaublich gelungene „Hinter Mauern aus Stein“ (Zeilen wie „Können Götter anders als in der Weite sein?“ muss ich einfach immer wieder loben) und das songwriterisch atemberaubende „Streyf“. Mit dem Hau-drauf-Lied „Metall“ beendeten die Brandenburger alsdann ihren wie immer viel zu kurzen Gig.

Helrunar setzten gleich noch einen drauf. Wenngleich die Band in die Jahre gekommen ist, so treffen ihre Songs doch immer noch den Nerv auch ganz junger Menschen. So war es überhaupt nicht verwunderlich, dass Helrunar für Jung und Alt die heimlichen Headliner des Tages waren. Ich glaube auch, dass fast alle Festivalbesucher nun den Weg in die Halle gefunden hatten, denn wann auch immer die Fans die Fäuste in die Höhe reckten, sah man nur noch Wogen von Fäusten. Mit „Frostnacht“ und „Ich bin die Leere“ begann man den Gig. „... Bis die Seele gefriert“ wurde gespielt, was eine Seltenheit darstellt, und mit dem Worten „Ein Nebel hat die Welt so weich zerstört“ gab Skald Draugir bekannt, dass nun ein Song („Nebelspinne“) vom neuen Album folgen soll, der dann auch vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Doch insgeheim wartete man natürlich auf die DIE Mitsing-Hymne schlechthin. „Älter als das Kreuz“ war dann auch wieder ein Schauspiel sonder gleichen. Bis in die hinteren Reihen sang man lauthals den Refrain mit und Band und Fans huldigten gemeinsam heidnischem Symbolismus, wenn auch nur in Form eines Lieds. Zuletzt gab es noch „Til Jardar“ und danach war der geilste Gig des Tages leider auch schon wieder vorbei.

Ich weiß, dass Suidakra viele Fans haben, aber ich persönlich musste die Band schon so oft im Leben live sehen (und das, obwohl ich keine einzige CD von ihnen zuhause habe), dass ich quasi eine Überdosis abbekommen habe. Mir sei also verziehen, dass ich die Band ausfallen ließ (zumal ich alleine vom Festival berichten musste, irgendwann brauch man sowieso mal eine Pause) und nur schnell ein paar Fotos gemacht habe. 

Pünktlich zu Ragnarok aus Norwegen stand ich natürlich wieder auf der Matte. Frontmann HansFyrste hatte sich hinter der Bühne bereits ausgiebig mental auf den Gig vorbereitet. Zeit für freches Posing war natürlich trotzdem.

Danach war allerdings Schluss mit lustig. Mit einem neuen Gitarristen im Gepäck und in blutrotes Bühnenlicht und viel Kunstnebel gehüllt, bot die Band einen echten satanischen Gig. Dass nicht allzu viele Anwesende in der Stimmung hierfür waren, fiel der Band gar nicht auf (Frontmann HansFyrste sagte mir nach dem Gig, dass der Zuschauerzuspruch aus Sicht der Band im Vergleich zu deren sonstigen Gigs wirklich unglaublich gut war, er hatte das nicht erwartet). Na ja, die norwegischen Black Metal Bands gehen sicher davon aus, dass man an die alten Größen wie Emperor & Co. heutzutage nicht mehr herankommen wird, was die Bekanntheit betrifft, und dass man eher für den verbliebenen Rest der Schwarzmetaller spielt, die unbeirrt dem Weg des Untergrunds folgen, komme was wolle. Aber Ragnarok gibt es ja auch schon recht lange, nur der neue Vokalist gibt der Band irgendwie einen ungewohnten Touch, mussten sich viele doch auch erst an seine rauchige Stimme gewöhnen. Der Black Metal selbst war brachial wie eh und je, und so gab es von Ragnarok folgende Songs in die Trommelfelle geknallt: „It’s war“, „Bless thee for granting me pain“, „Certain death“, „Collectors of the king“, „Pagan land“ und „In nomine Satanas“. Eigentlich war noch „Burning the earth“ geplant gewesen, aber aus Zeitgründen musste dieser dann doch gestrichen werden. Alles in allem ein solider Gig, für echte BM-Fans sicher ein noch größeres Schmankerl, und visuell sorgen die Bandmitglieder ja auch immer für den glaubwürdigen belzebübischen Touch. Prädikat: besonders wertvoll!

„Wolves in the Throne Room” hätte ich mir gerne ganz in Ruhe zu Gemüte geführt, habe ich doch über kaum eine andere Band auch von hochkarätigen Musikern anderer Bands soviel Lob gehört. Aber da backstage einige Bekannte anwesend waren (Gorgoroth...), mit denen es viel zu bereden gab, beschloss ich dann doch, den Gig komplett sausen zu lassen und mir „Wolves in the Throne Room“ unter für mich besseren Bedingungen zu anderer Zeit anzusehen (wenn sie so gut sind, wie man sagt, sieht man sie sicher mal wieder). Ich hätte mich sicher eh nicht auf das Besondere in ihrer Musik konzentrieren können an diesem Tag. Sorry.

Und so kam ich zum Metal-Gig von Skyforger zurück in den größten aller Fotogräben. Man muss leider sagen, dass der Zuspruch der Fans nicht annähernd so groß war wie beim Folk-Gig am Vortag. Kann nur daran liegen, dass die Metal-Show nichts sooo Besonderes mehr ist, denn Skyforger haben es ja unter die gern gesehenen Headliner sämtlicher Pagan-Festivals geschafft und man kann sie relativ oft live bewundern. Trotz allem war auch der Metal-Gig wieder ein kleiner Genuss, zumal auch dieser eigentlich eine Special-Performance war, wurden doch die Songs vom ganz neuen Album „Kurbads“ vorgestellt. Die lettischen Folk-Elemente kamen in allen Songs gewohnt gut zur Geltung, und die ganze Umsetzung der Lieder ist einfach fantastisch. Alle Skyforger-Songs sind so ansteckend und melodisch, dass man kaum genug davon bekommen kann. Und obwohl das Publikum heuer bei den neuen Songs noch nicht mitsingen konnte, kamen sie sehr gut an und wurden alle mit reichlich Applaus belohnt.

Das Ragnarök-Festival war die Premiere für viele neue Sänger (sicher ging es da vielen ähnlich wie mir), Pest zum ersten Mal mit Gorgoroth und Robse zum ersten Mal live mit Equilibrium. Tja, die Spannung auf den Equilibrium-Gig war natürlich unglaublich groß. Wenn man Robse noch von Vrankenvorde kennt, kann man es sich kaum vorstellen, wie er in eine Band mit ganz anderem Stil passt. Wobei die meisten unter den Zuschauern sicher Vrankenvorde nicht kannten, also auch nicht voreingenommen sein konnten.

Nun, Equilibrium kamen also zu „Prolog auf Erden“ auf die Bühne und es hätte mich schon interessiert, wie viele Festivalbesucher den Wechsel in der Sänger-Riege nicht mitbekommen haben und sich von weitem gefragt haben, ob Helge sich die Haare schwarz gefärbt hat. ;-) Aber spätestens als Robse bei „Snüffel“ so richtig loslegte, muss auch der Letzte gemerkt haben, dass da jemand Neues am Mikro ist. Ein wenig steif wirkte Robse anfangs schon, auch der neue Schlagzeuger schien noch nicht ganz so versiert zu sein, wie er hätte sein können. Aber gut, auf selbigen richtet man wohl nicht unbedingt das Augenmerk, und so lag die Verantwortung für einen guten Gig allein in Robses Händen (dass die anderen Musiker gewohnt perfekt spielten, steht ja außer Frage). „Blut im Auge“, „Unter der Eiche“ und „Heimwärts“ waren die nächsten Bewährungsproben. Trotz des etwas einstudiert wirkenden Agierens auf der Bühne schaffte es Front-Hüne Robse, keine Nervosität aufkommen zu lassen. Stattdessen hing er sich richtig rein und röhrte und growlte was die Stimmbänder hergaben. Es war überraschend zu hören, dass er gewisse schwierige Parts tatsächlich hervorragend gemeistert hat. Bei „Wingthors Hammer“ und „Met“ waren die Fans dann auch bereit, richtig Party zu machen wie in alten Helge-Zeiten. Ich kann mich nur gerade nicht erinnern, ob auch eine Met-Flasche in Richtung Publikum flog oder nicht. Gnadenlos ging es weiter: „Der ewige Sieg“, „Ruf in den Wind“ und „Unbesiegt“ folgten, bevor es mit „Nordheim“ das Finale des Gigs gab. „Der Sturm“ konnte aus Zeitgründen nicht mehr gespielt werden.

Natürlich muss ich mich erst dran gewöhnen, dass Robse jetzt bei Equi singt, aber fürs erste Mal war es zumindest nicht von schlechten Eltern.

Auf Sarke war ich sehr gespannt. Wem dieser Bandname nichts sagt, dem sei gesagt, dass es sich um die neue Black/Thrash-Band von Darkthrones Nocturno Culto handelt. Aber was soll ich sagen!? Das war der wohl enttäuschendste Auftritt des ganzen Festivals für mich. Lag aber mit Sicherheit an den vorher viel zu hoch gesteckten Erwartungen. Man soll eben doch nicht von der Mitgliedschaft in anderen Elite-Bands auf die Qualität des Solo- oder Neben-Projekts schließen. Zwar stand außer Frage, dass alle Musiker hochprofessionell und spielerisch 1A waren (und Nocturno Culto war betont lässig und gut gelaunt), aber die Musik ist einfach viel zu gewöhnlich, als dass sie mir gefallen könnte, auch wenn einige Passagen und Soli wirklich zu gefallen wussten. Aber hieße die Band unbekannterweise Bloody Evil o.a. und deren Sänger Hans Müller und hätte die selbe Musik wie Sarke gespielt, hätte ihnen sicher kaum jemand Beachtung geschenkt. Das kann man jetzt wirklich nicht abstreiten. Aber gut, wenn ein bekannter Name dahintersteht, bemüht sich das Publikum ja wirklich, auf Teufel komm raus das Besondere in der Musik zu erkennen (kann ja auch gut sein, dass sich nur mir das Grandiose in Sarkes Liedern nicht erschlossen hat... lediglich das gespielte Celtic Frost- Cover konnte mich wirklich begeistern), und so konnte die Band beachtlich viel Anerkennung und Applaus mitnehmen. Versteht mich nicht falsch, sie waren wirklich nicht übel, nur eben nicht mein Geschmack. Vielleicht hätte ich die Sache anders gesehen, wenn ich Sarkes Album vorher gekannt hätte. Aber da mich erfahrungsgemäß meine Favoriten unter den Bands zuerst live, und dann auf der infolge dessen gekauften CD begeistert haben, habe ich auch Sarke zuerst live hören wollen, um dann zu entscheiden, ob ich das Album haben möchte.
Besondere Action gab es nicht (außer dass „Mr. Culto“ gerne mit den Fans über das deutsche Bier sprach und so die Atmosphäre auflockerte), eine Art Bühnenshow war auch nicht zu erkennen, im Gegenteil, wie schon einige der Bands zuvor waren auch Sarke von oben bis unten in Kunstnebel eingehüllt, so dass man die Musiker, die im hinteren Teil der Bühne standen, manchmal nur erahnen konnte. Auch auf die Gefahr hin, mich erneut zu wiederholen: muss das mit dem scheiß Kunstnebel immer sein!? Ein guter Gig ist ein guter Gig, und ein schlechter bleibt trotzdem ein schlechter, das ändert sich nicht, egal wie viel umweltschädliches Gift man als „Deko“ in die Luft blasen lässt...

Nun war es dann also soweit: Gorgoroth zum ersten Mal live mit dem neuen/alten Sänger Pest! Die Spannung war unerträglich. Mir war schon klar, dass die ganzen Mädels, die auf Gaahl gestanden haben, nun nicht mehr zu den „Fans“ von Gorgoroth gezählt werden können, die Fanreaktionen also von Haus aus spärlicher ausfallen würden. Aber trotzdem lag es mir irgendwie am Herzen, dass die neue Formation gut ankommt. Da ich für www.gorgoroth.info Fotos machen sollte, habe ich den Anfang der Show von der Seite der Bühne aus mitbekommen und war schon unglaublich erschrocken, als ich von dort aus keine Vocals hörte. Ich dachte schon, das Mikro von Pest ist ausgefallen und die Soundleute kriegen es nicht auf die Reihe. Der Supergau also. Aber als ich dann im Fotograben war, hörte ich wieder alles. So kann man sich selber unnötigen Stress machen. ;-)

Doch zum Gig: die Band kam unter rotem, gedämpftem Licht zu „Bergtrollets Hevn“ auf die Bühne. Direkt im Anschluss gab es „Aneuthanasia“ und „Katharinas bortgang“. Dann der stärkste Song vom neuen Album, nämlich „Prayer“, allerdings war Pests Gekreische zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftig. Ganz schön schrill arbeitete sich seine Keifstimme in die Gehörgänge vor, um dort Terror zu machen. Also wirklich nicht jedermanns Sache. Außerdem ist Pest ja im Vergleich zum Vorgänger auch eher klein und garstig auf der Bühne. Also eine echte Umstellung. „Revelation of doom“ ging ihm dann schon leichter von der Hand bzw. vom Stimmband, genauso wie „The rite of infernal invocation“ und „Forces of Satan Storms“. Was den Rest der Musik betrifft, so ist die Musik Gorgoroths ja die selbe wie eh und je. Gewaltige Gitarrenwände dominieren die Songs, roh und kalt kommen die Inhalte der Songs rüber und Gorgoroth haben ein Auftreten und eine Aura, mit der sie jederzeit eine bedrohlich-satanische Atmosphäre erzeugen können. Auch war der Zuspruch von den Festivalbesuchern nicht so schlecht wie ich befürchtet hatte, es waren doch schon relativ viele Fäuste in der Luft gegen Gig-Ende, zumindest geben viele der Band also doch die verdiente Chance, sich mit dem neuen Line-Up zu etablieren. „Ødeleggelse og undergang“ und „Blood stains the circle“ sowie „Satan Prometheus“ wurden hinterhergeschoben. Bis auf böse Blicke und mit stolz geschwellter Brust herumstolzieren konnte man von Pest natürlich keine besondere Bühnenaction erwarten. Er ist nicht der Typ dafür, punktet lieber durch sein ranziges Aussehen und prolliges Auftreten auf der Bühne. „Destroyer“ und „Incipit Satan“ standen noch auf dem Plan, aber bei „Profetens Åpenbaring“ wurde die Zeit dann knapp, was zu Lasten der noch geplanten Songs wie „Unchain my heart“ ging.

Nun ja, ich persönlich war froh, dass der Gig einigermaßen okay war (die Band selbst bezeichnete ihn im Nachhinein als schlechtesten Gig, den sie je gespielt haben) und war auch froh, dass es doch noch einige Die-hard-Fans gibt, die der Band die Treue gehalten haben und weiterhin halten (Grüße an Jonas aus Bayreuth in diesem Zusammenhang!).

Kromlek hätte ich gerne gesehen, sind diese doch immer für eine Überraschung gut, aber ich versackte natürlich noch eine Weile backstage. So schaffte ich es erst wieder zum Ende von Ctulu in den Fotograben. Diese punkteten durch unglaublich viel Spielfreude auf der Bühne. Trotz der fortgeschrittenen Stunde schafften sie es, die verbliebenen Zuschauer ein letztes Mal vor Festivalende zu animieren und da sie die letzte Chance boten, zu headbangen, nutzten die Fans dies auch exzessiv.

Damit endete das Festival dann auch. Wieder einmal haben sich die Veranstalter um Ivo Raab und Helfer wie Nicolai Teufel (der wirklich der angenehmste und engagierteste unter allen Pressebetreuern ist, mit denen ich je zu tun hatte) mächtig ins Zeug gelegt, um das Festival so gut wie möglich über die Bühne zu bringen (auch die Extras wie die Nachbildung des mittelalterlichen Dorfes auf dem Festivalgelände waren eine gute Idee). Die hygienischen Bedingungen in der Reithalle waren klasse, es gab genügend Sitz- und Stehplätze, was immer das Herz begehrte konnte man natürlich kaufen, lediglich der Zugang über eine schmale Holztreppe von den Sitzplätzen zum Feld vor der Bühne war meistens überlaufen, was dem guten Gesamteindruck des Festivals aber keinen Abbruch tat. Und nach den vielen Jahren großen Gedränges im Ragnarök-Fotograben der Stadthalle hat es einfach gut getan, in der Reithalle mal ein Festival ohne Platzmangel, Songanzahlbeschränkung, Blitzlichtverbot und Gruppentausch im Fotograben zu erleben. Es war beinahe zu schön um wahr zu sein...

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