Necrophobic, Raise Hell, ORIGIN BLOOD, EVERMOORE, ...

Hannover, FAUST – 15. Okt. 2006

Bericht + Fotos: Wiebke

Der Herbst ist da, und es wird immer früher dunkel, was einen schon ein bisschen melancholisch werden lassen kann. Zum anderen ist aber auch die Sommerlethargie der meisten Musiker vorbei. Sie kommen aus ihren Aufnahmebunkern und Proberäumen, in denen sie sich während der Sommertage verschanzt haben – wenn man nicht doch auf dem einen oder anderen Festival Station gemacht hat – und lassen ihre neuesten Schöpfungen auf die Fans los. So auch Necrophobic, die sich Ende September auf den Weg machten, um Europa mit Dunkelheit zu erleuchten und nun als vorläufig letzten Halt in Hannover Station machen.
Eigentlich sollte man meinen, dass sich an einem Sonntagabend doch ein paar mehr Leute aufraffen könnten, um zu einem Konzert zu gehen. Dem scheint aber leider nicht so zu sein, so dass Ingurgitating Oblivion vor allerhöchstens 30 Nasen, und eine halbe Stunde früher als angekündigt, aufspielen. Im Endeffekt stehen aber nur vier Leute vor der Bühne, und die Band hat auch noch Pech, denn der Bass verabschiedet sich nach dem ersten Song, so dass die Jungs die nächsten zwei Songs ohne Bassisten auskommen müssen, da sich der Ersatzbass sonst wo, aber nur nicht in Bühnennähe befindet.  Die Oldenburger spielen richtig coolen Death Metal mit vielen technischen Raffinessen, die bei dem miesen Sound leider nur bedingt zur Geltung kommen. Tempi werden geschickt variiert, und auch der Frontmann kann durch stimmlichen Facettenreichtum überzeugen. Leider machen es die anwesenden Hannoveraner ihnen ziemlich schwer und lassen sich nur zu Höflichkeitsapplaus hinreißen, obwohl der sympathische Fünfer definitiv bessere Reaktionen verdient hätte.

Setlist: Intro – Spiralling Out Of The World – Nothingness – Imprecations – Towards The Flickering Light – Waters Of Rebirth – Consecrated Ground… - Veil Of Perception

   

Als nächstes sind Evermoore an der Reihe. Die Jungs sehen alle verdammt jung aus, präsentieren sich aber sehr aufeinander abgestimmt. Außerdem haben sie tierisch viel Spaß auf der Bühne, Gitarrist und Bassist posen um die Wette, während sich Frontmann Jakob ganz auf seinen Gesang konzentriert, der aber aufgrund einer übermächtigen Basedrum kaum zu hören ist. Anscheinend hat der Soundmann heute nicht seinen besten Tag. Schade, denn die Fetzen, die man zu hören bekommt, hören sich sehr viel versprechend an. Musikalisch hat man es mit Melodic Dark Rock zu tun, der allerdings sehr gradlinig ist und zum Glück ohne Schmalz auskommt. Zu Anfang denke ich wirklich, die Jungs kommen aus Finnland, werde aber in einer Ansage eines besseren belehrt, denn sie kommen – wie alle Bands bis auf den Opener – aus Schweden. Die Vier steigern sich von Song zu Song, aber hervorzuheben ist vor allem „Nero“, denn der besitzt ein absolutes Killerriff, zu dem man wunderbar headbangen kann!

Setlist: Answers – Reverence Lost – Want Dead – Nero – Into The Flames 

       

Halbzeit. Auch Origin Blood sind mir bisher kein Begriff. Das ändert sich aber schnell, denn die Combo legt rasant los. Die Musik klingt sehr modern und man hört, dass die Musiker sehr viel Pantera gehört haben müssen, denn ein paar Riffs erinnern mich doch sehr daran. Allerdings finden sich auch Einflusse des modernen Schwedentods gerade in punkto Gitarrensound und Gesang. Zwischen den Songs reden die Jungs wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Es wird nicht viel angekündigt, sondern vielmehr mit den Leuten in der ersten Reihe geschnackt. Zwei Jungs, die sich unterhalten, müssen ihre Unterhaltung mal schnell ins Englische übersetzen. Da es um Liebeskummer ging, bekommt der eine dann auch spontan das nächste Stück gewidmet. 

 

Der Sound ist mittlerweile auch ganz annehmbar, so dass man auch feinere Details der energiegeladenen Musik heraushören kann, denn es findet sich auch in der Bassarbeit einiges an Gefrickel. Vor dem letzten Song kündigt Frontmann Rob an, dass er jetzt noch ein bisschen mehr Spaß haben möchte, winkt eine der weiblichen Anwesenden an die Bühne heran und drückt ihr das Mikrophon in die Hand. Dann springt er von der Bühne und zockt den letzten Song von dort, während sie den Spaß mitmacht und den lebenden Mikrophonständer spielt.

Setlist: Slipsknut – Godsize – Within – To Have And To Hold – Enlightenment – Headache – Mr. Jakker Daw – The End - Sorrow 

Mein erster Gedanke, als die Jungs von Raise Hell die Bühne betreten ist, dass die ganz schön erwachsen geworden sind. Okay, sie sind in meinem Alter, aber als sich sie das letzte Mal sah, sahen sie viel jungenhafter aus. Egal. Schon bei den ersten Songs zeigt sich, das Quintett haut rein! Hier wird gethrasht bis der Arzt kommt. Der Fokus liegt zwar auf dem aktuellen Album „City Of The Damned“, auf das Frontmann Jimmy immer wieder hinweist, aber auch die zwei vorangegangenen Alben kommen zum Zuge. Bei „City Of The Damned“ wird ein bisschen bei Slayer geklaut, hier ein wenig von Destruction und da etwas Kreator, was jetzt aber nicht heißen soll, dass die Schweden ein bloßer Abklatsch wären. Auf gar keinen Fall, denn ihre eigene Note offenbart sich in den rockigen Parts und im Gesang. Mehr oder minder Neuzugang Jimmy verfügt über eine äußerst variable Stimme: vom kraftvollen Shouting über relativ klaren Gesang bis hin zu hohen Power Metal Schreien hat der Mann alles drauf. Backgroundunterstützung erhält er bei einigen Songs von Bassist Niklas und Gitarrist Jonas. 

Leider haben aber auch Raise Hell unter der Lethargie der Zuschauer zu leiden. Obwohl sich schon ein paar mehr in die erste Reihe gewagt haben, kommt nur wenig Stimmung auf. Man merkt deutlich, dass sich der Frontmann darüber ärgert, aber er ist Profi und zieht seine Show durch. Die meisten Songs bewegen sich in schnellem Tempo – besonders die Soli – so dass man den Gitarristen wunderbar dabei zusehen kann, wie ihre Finger über das Griffbett ihrer Instrumente flitzen. Erst zu „Devilyn“ – einer Fast-Ballade – wird das Tempo etwas gedrosselt. Dieser Song besitzt ein Killerriff, einen Hammerrefrain und allgemein absoluten Ohrwurmcharakter. Von daher verstehe ich wirklich nicht, wie man dabei so ruhig bleiben kann! 

                      

 

Danach geht es rasant weiter, und vor dem letzten Song schafft es Jimmy dann doch noch, die Fans zum Näherkommen zu bewegen. „Death Race“ macht seinem Namen alle Ehre, denn es wird wirklich ohne Rücksicht auf Verluste gerast. Ein wahrer Nackenbrecher! Danach ist dann Schluss, und Raise Hell verabschieden sich höflich, ehe sie die Bühne verlassen. Schade, denn auch sie hätten definitiv mehr Enthusiasmus verdient.

Setlist: Devil´s Station – City Of The Damned – Dance With The Devil – The Haunted House – To The Gallows – Devilyn – Ghost I Carry – Not Dead Yet – Reaper´s Calling – Death Race

Nun zeigt sich, dass die meisten Anwesenden ausschließlich wegen des Headliners gekommen sind. Denn vor Necrophobic kommen nun alle freiwillig näher. Als die Musiker einzeln zum Intro „The Slaughter Of Baby Jesus“ die Bühne betreten, wird jeder lauthals begrüßt. Frontmann Tobias zieht während der Begrüßung eine fiese Grimasse, ehe es mit „Blinded By Light, Enlightened By Darkness“ richtig losgeht. Ab jetzt stimmt alles. Vor und auf der Bühne wird gemosht, der Sound ist ganz annehmbar, die Gitarristen posieren mit ihren Flying V´s um die Wette. So muss das sein!
Raserei wechselt sich mit schleppenden Passagen ab, und zwischendurch wird es auch mal richtig melodisch. Dabei ist es sehr schwer, die Musik Necrophobics genau zu kategorisieren, denn damit würde man der Band nicht gerecht werden. Auf jeden Fall schaffen es die Musiker ihrer thematischen Ausrichtung gerecht zu werden und versprühen musikalisch gesehen eine Menge Hass. Menschlich machen sie dagegen einen äußerst sympathischen Eindruck. Obwohl sie sehr aufeinander eingespielt sind und routiniert zu Werke gehen, merkt man ihnen absolut an, wie viel Spaß sie auf der Bühne haben. Die Gitarrensoli kommen leidenschaftlich, und Schlagzeuger Joakim peitscht seine Mitmusiker unermüdlich voran.

                

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Wie – „Nailing The Holy One“ und „Dreams Shall Flesh“ sollen schon die letzten Songs des Abends sein? Das kann nicht angehen. Und so werden die vier Schweden für Zugaben auf die Bühne zurückgebrüllt. Und jetzt zeigt sich auch, dass wir hier auf einem letzten Tourkonzert sind. Denn auf einmal marschieren Musiker sämtlicher Vorbands plus Merchandiser Eumel mit freiem Oberkörper und War/Corpsepaint/Geschmiere im Gesicht schnurstracks in die erste Reihe, um während des Zugabenteils richtig abzugehen. Ein paar Fans reißen sich solidarisch auch die T-Shirts vom Leib, was von den Herren auf der Bühne mit einem fetten Grinsen kommentiert wird.

Der Titeltrack des aktuellen Albums „Hrimthursum“ markiert den Anfang vom Ende, und als letztes Stück wird der Kultsong „The Nocturnal Silence“ zelebriert. In der Mitte des Songs hält dann auch Tobias nichts mehr auf der Bühne. Da sein Bass mit einem Sender ausgestattet ist marschiert er einfach durch die Reihen und zockt mittendrin weiter. Ständig werden irgendwelche Halbnackten auf die Bühne gehoben, die sich todesmutig zum Zwei-Reihen-Stage-Dive hinabstürzen. Danach gibt es eine herzliche Verabschiedung, und die Jungs schnappen sich auch noch  Gitarrist Jonas und lassen ihn hochleben, womit der Abend einen würdigen Abschluss findet.   

Setlist: The Slaughter Of Baby Jesus (Intro) – Blinded By Light, Enlightened By Darkness – Into Armageddon – I Strike With Wrath – Awakening… - The Frozen Empire – Darkside – The Crossing – Act Of Rebellion – Mourningsoul – Sitra Ahra – Spawned By Evil – Nailing The Holy One – Dreams Shall Flesh II Hrimthursum – The Nocturnal Silence

   

 

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