Woods of desolation – "Sorh"

Eisenwald/ VÖ: 16.November 2009

Aufgrund der Tatsache, dass die vorliegende Promo zwar als Original-CD, aber lieblos ohne Cover eingeschickt wurde, kam es mir lange nicht in den Sinn, sie zu reviewen. Nun siegte die Neugier auf den Inhalt aber doch. Und jetzt muss ich mir selbst eingestehen, dass mir etwas entgangen ist damit, mir nicht viel früher den Genuss dieses Albums zu gönnen. Es kommt wahrscheinlich nur einmal im Jahr vor, dass eine Promo einer mir bis dato unbekannten Band dermaßen den Kopf verdreht, dass sie ab dem 1. Hören auf Dauerrotation in meinem CD-Player geht. „Woods of desolation“ haben es mit ihrer EP „Sorh“ geschafft.

Das Album der Australier beginnt sanftmütig mit einer leicht melancholischen, kristallklaren Melodie auf der Gitarre mit etwas Synthie-Hall-Untermalung. Doch kurz bevor man hinwegträumt, bricht urgewaltiger Black Metal los. Schwer und schleppend legen sich hochdepressive Gitarrenwellen über einen und man wird von Wogen der Melancholie mitgezogen. Immer tieftönender werden die schwermütigen Harmonien, undurchdringlich sind die Gitarrenwände, die immer neue Trauer und Emotionen der dunkelsten Art herausschleudern. Das Drumming wird dezent gehalten, nur an schnelleren Stellen oder wo es zugunsten des Effektes gut reinpasst, tritt mal tief-donnerndes, mal Becken-lastiges Schlagwerk in den Vordergrund. In diesen Sog der Tragik mischt sich das Growling, welches wie selbstverständlich in der Musik zu zerfließen scheint. Im mittel-tiefen Tonbereich wird voller Hingabe geschrieen und gegrowlt bzw. stimmlich die Essenz der Musik unterstrichen, wobei in einigen Schrei-Passagen die Stimme auch ab und an nach oben ausbricht.  

Im dritten der vier ausladenden Kompositionen gibt es ein Break mit Geräuschen von Regen und sehr zurückgenommenen, puren Gitarrenklängen. Diese Atempause ist aber nur von kurzer Dauer, bevor erneut das ganze Ausmaß der menschlichen Melancholie über den Hörer hereinbricht. Dieser Song klingt mit Donnergrollen eines Gewitters aus, und selbst dieses klingt tiefer als bei einem tatsächlichen Gewitter. Ein solcher Effekt unterstreicht natürlich zusätzlich die tiefdunkle, gefühlte Hoffnungslosigkeit des Albuminhalts. 
Während des Hörens wird man einfach tiefer und tiefer in die vertonten Abgründe des Denkens des Komponisten gerissen. Es gibt kein Entkommen vor der abartigen Schwärze von „Sorh“. 

Die leider mangelnde Aufnahmequalität gibt einem das Gefühl, „aus der Ferne“ zuzuhören (was aber hier auf groteske Weise trotzdem dazu passt, fördert es doch das Gefühl von Entfremdung und Ablehnung, von der Kälte, welche das Album als Auslöser für die depressiven Gefühlswelten widerspiegelt), es könnte also durchaus pure Absicht gewesen sein, es genau so aufzunehmen. Doch selbst, wenn der Makel unbeabsichtigt ist, ist das Album in seiner Gesamtheit doch unglaublich und atemberaubend. Fans des Suicidal-BM werden sich mit Sicherheit in den Sphären dieser trostlosen Kompositionen aalen und jeden Funken Dunkelheit begierig aufsaugen. Doch ich befürchte, dass auch nur Fans dieses Genres die Musik von „Woods of Desolation“ überhaupt verstehen können. Fans des fröhlichen Yeah-Mitgröhl-Metal werden sicher schreiend davonlaufen, sobald sie die ersten Töne von „Sorh“ hören. 

Für meinen persönlichen Geschmack ist und bleibt die 25-minütige EP trotzdem außergewöhnlich. Abzug gibt es lediglich für die miserable Aufnahmequalität, die man dann leider doch nicht wegdiskutieren kann.

Anspieltipp: "Enshrouded By Solitude"                                                   Punkte: 7,5 von 10

Review von Twilightheart

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